Branche · Bauprodukte & Baustoffe
Der Produktpass für Bauprodukte: die Branche mit der eigenen Rechtsgrundlage.
Bauprodukte laufen nicht über die ESPR, sondern über die neue Bauprodukteverordnung (EU) 2024/3110 – sie ist bereits in Kraft und führt einen eigenen Bauprodukte-DPP ein, erwartet schrittweise ~2029–2030. Leistungserklärung und Konformitätsnachweis werden digital, Umweltdaten aus EPDs werden Pflichtbestandteil. Wer heute noch PDF-DoPs pflegt, hat einen klaren Fahrplan vor sich.
- (EU) 2024/3110Neue Bauprodukteverordnung in Kraft – eigene DPP-Rechtsgrundlage
- ~2029–2030Bauprodukte-DPP erwartet, schrittweise je Produktfamilie
- DoP → digitalLeistungserklärung & Konformität werden maschinenlesbar
- EN 15804EPDs als Datenbasis für Umweltangaben im Pass
01 — Lage
Nicht ESPR, sondern CPR: der Bauprodukte-Sonderweg.
Während Textilien, Möbel oder Elektronik ihren Produktpass über die ESPR und delegierte Rechtsakte bekommen, hat die Bauwirtschaft eine eigene Route: Die neue Bauprodukteverordnung (EU) 2024/3110 ist in Kraft und verankert den Digitalen Produktpass direkt im Bauprodukterecht. Die Pflicht wird schrittweise ~2029–2030 erwartet, je nachdem, wann die harmonisierten technischen Spezifikationen der einzelnen Produktfamilien überarbeitet sind.
Der Kern der Umstellung: Was Hersteller heute als Leistungserklärung (Declaration of Performance, DoP) und CE-Konformitätsdokumentation in PDF-Form bereitstellen, wird künftig digital, maschinenlesbar und produktbezogen im Pass geführt – ergänzt um Umwelt-, Gebrauchs- und Kreislaufinformationen. Umweltproduktdeklarationen (EPDs) nach EN 15804 werden damit von der freiwilligen Marketing-Unterlage zur zentralen Datenbasis.
Dazu kommt eine zweite Front: Wer Stahl oder Aluminium verarbeitet, bekommt die ESPR-Produktpässe für Eisen & Stahl (Rechtsakt erwartet 2026) und Aluminium (erwartet 2027) als Vorproduktdaten in die eigene Lieferkette gespielt. Alle Termine im DPP-Zeitplan.
02 — Anforderungen
Welche Daten der Bauprodukte-DPP voraussichtlich verlangt.
Die Details legen die harmonisierten technischen Spezifikationen je Produktfamilie fest – Struktur und Stoßrichtung ergeben sich aber bereits aus der neuen CPR:
Digitale Leistungserklärung (DoP)
Die deklarierten Leistungen – Tragfähigkeit, Brandverhalten, Wärmeleitfähigkeit & Co. – maschinenlesbar statt als PDF im Download-Ordner.
Konformität & CE-Kennzeichnung
Konformitätsnachweise, notifizierte Stellen und Zertifikate digital am Produkt referenziert – prüfbar für Marktaufsicht und Bauaufsicht.
Umweltdaten & EPDs
Umweltindikatoren nach EN 15804 (GWP & weitere Wirkungskategorien) – EPD-Daten wandern vom Broschürenanhang in den strukturierten Pass.
Substances of Concern
Besorgniserregende Stoffe in Baustoffen und Bauchemie – anschlussfähig an REACH-/SCIP-Pflichten, künftig mit klarem Produktbezug.
Gebrauchs- & Kreislaufinformationen
Einbau-, Wartungs- und Rückbauhinweise, Wiederverwendbarkeit und Rezyklatanteile – Grundlage für zirkuläres Bauen und Gebäuderessourcenpässe.
Eindeutige Kennung + Datenträger
Produktkennung mit QR-Datenträger auf Produkt, Verpackung oder Begleitdokument – Granularität je Produktfamilie (Typ/Charge).
Wie viele Ihrer Leistungserklärungen existieren als strukturierte Daten – nicht als PDF?
Bei den meisten Herstellern: kaum eine. Genau dort beginnt Bauprodukte-Readiness – wir zeigen Ihnen in einem kurzen Gespräch, wie der Weg von der PDF-DoP zum digitalen Pass aussieht.
03 — Vorgehen
Bauprodukte-Readiness in fünf Schritten.
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1
Betroffenheits-Check
Sortiment gegen die neue CPR und die ESPR-Vorproduktgruppen (Stahl, Aluminium) prüfen: Welche Produktfamilien trifft was – und in welcher Reihenfolge?
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2
Datenaudit DoP & EPD
Leistungserklärungen, Prüfzeugnisse, Zertifikate und EPDs inventarisieren: Was liegt strukturiert vor, was nur als PDF – und wo fehlen Umweltdaten komplett?
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3
Vorprodukt- & Lieferantendaten
Datenabfragen an Rohstoff- und Vorproduktlieferanten strukturieren – von Zement über Stahl bis Bauchemie, priorisiert nach Volumen und Ausschreibungsdruck.
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4
Datenmodell & Systeme
DPP-Datenmodell je Produktfamilie, Kennungslogik (Typ-/Chargenebene), Anbindung an ERP/PIM und die bestehenden DoP-Prozesse.
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5
Pilot-Produktpass
Ein reales Bauprodukt mit QR-Kennung, digitaler DoP und EPD-Daten als maschinenlesbarer Pass – Blaupause für den Rollout bis ~2029/2030.
04 — FAQ
Häufige Fragen von Bauprodukteherstellern.
Ab wann ist der Digitale Produktpass für Bauprodukte Pflicht?
Die neue Bauprodukteverordnung (EU) 2024/3110 ist in Kraft – das ist fix. Der Bauprodukte-DPP selbst wird schrittweise ~2029–2030 erwartet, abhängig davon, wann die harmonisierten technischen Spezifikationen der jeweiligen Produktfamilie überarbeitet sind. Diese Termine sind indikativ und können sich je Produktfamilie unterscheiden.
Gilt für uns die ESPR oder die Bauprodukteverordnung?
Für Bauprodukte im Anwendungsbereich der CPR gilt der Bauprodukte-DPP nach (EU) 2024/3110. Berührungspunkte zur ESPR gibt es trotzdem: Stahl und Aluminium bekommen eigene ESPR-Produktpässe (erwartet 2026/2027) – als Vorprodukte Ihrer Erzeugnisse. Im Betroffenheits-Check klären wir, welche Regelwerke Ihr Sortiment konkret treffen.
Werden unsere EPDs zur Pflicht?
Die neue CPR verankert Umweltangaben deutlich stärker im Bauprodukterecht; EPD-Daten nach EN 15804 sind die etablierte Datenbasis dafür. Wer bereits EPDs pflegt, hat einen Vorsprung – entscheidend wird, die Ergebnisse strukturiert und produktbezogen verfügbar zu machen statt als PDF-Dokument.
Wir sind Händler bzw. Importeur – betrifft uns das?
Ja. Importeure übernehmen Herstellerpflichten, wenn sie Produkte aus Drittländern in der EU in Verkehr bringen, und der Handel muss künftig sicherstellen, dass Passdaten verfügbar bleiben. Wer Eigenmarken führt, ist praktisch in der Herstellerrolle.
Was sollten wir jetzt konkret tun?
Drei Dinge: (1) DoP-, Prüfzeugnis- und Zertifikatsdaten aus PDFs in strukturierte Artikeldaten überführen, (2) EPD-Abdeckung im Sortiment prüfen und Lücken priorisieren, (3) Lieferantendaten für Vorprodukte (Stahl, Aluminium, Bauchemie) organisieren. Dann sind Sie startklar, sobald Ihre Produktfamilie an der Reihe ist.
Kontakt
Von der PDF-DoP zum digitalen Pass – der Umbau braucht Vorlauf.
Erzählen Sie uns kurz, welche Produktfamilien Sie herstellen oder handeln – Sie bekommen eine ehrliche Einschätzung, wann Sie betroffen sind und was jetzt sinnvoll ist.
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