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Branche · Eisen & Stahl

Der Produktpass für Stahl: voraussichtlich die erste ESPR-Produktgruppe.

Eisen & Stahl steht im ESPR-Arbeitsplan an erster Stelle: Der delegierte Rechtsakt wird für 2026 erwartet – ursprünglich für Ende 2025 geplant, um ein Jahr verschoben. Zunächst geht es um Informations- und Datenpflichten für das Zwischenprodukt: CO₂-Intensität, Schrottanteil, Legierungszusammensetzung. Wer Stahl erzeugt, handelt oder verarbeitet, bekommt die Anforderungen als Erster auf den Tisch.

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  • 2026Delegierter Rechtsakt erwartet (von Ende 2025 verschoben)
  • ~2028Pflicht frühestens (Rechtsakt + ~18 Monate)
  • ZwischenproduktZunächst Informations- und Datenpflichten für Stahl als Vorprodukt
  • KaskadeDatenanforderungen wandern zu Verarbeitern, Metallbau, Maschinenbau

01 — Lage

Warum Stahl den Anfang macht.

Die EU hat im ersten ESPR-Arbeitsplan (April 2025) Eisen & Stahl an die Spitze der Prioritätenliste gesetzt – vor Textilien, Reifen und Aluminium. Der Grund: Stahl ist mengen- und emissionsseitig das wichtigste Grundmaterial der europäischen Industrie, und die Dekarbonisierung der Erzeugung („grüner Stahl") braucht belastbare, vergleichbare Produktdaten statt Marketing-Claims.

Stand Juli 2026: Der delegierte Rechtsakt war für Ende 2025 angekündigt und wurde auf 2026 verschoben – er wäre der erste produktspezifische ESPR-Rechtsakt überhaupt. Mit der üblichen Übergangsfrist von ~18 Monaten wird die Pflicht damit frühestens ~2028 greifen. Alle Termine bleiben indikativ, den aktuellen Stand zeigt der DPP-Zeitplan.

Eine Besonderheit: Stahl ist ein Zwischenprodukt. Erwartet werden zunächst Informations- und Datenpflichten für das Vorprodukt – Coils, Bleche, Profile, Langprodukte. Die Daten enden aber nicht beim Erzeuger: Verarbeiter, Metallbau und Maschinenbau werden sie in ihren eigenen Produktpässen und Kundenanforderungen weiterreichen müssen. Die Datenkaskade läuft die Lieferkette hinauf.

02 — Anforderungen

Welche Daten der Stahl-DPP voraussichtlich verlangt.

Verbindlich wird das erst mit dem delegierten Rechtsakt – aus ESPR, Arbeitsplan und Normungsarbeit zeichnen sich die Kategorien aber deutlich ab:

  • CO₂-Intensität der Erzeugung

    Emissionen je Tonne Stahl, differenziert nach Route (Hochofen/Konverter vs. Elektrolichtbogen, perspektivisch Direktreduktion) – das Kernstück des Passes und die Basis für „grüner Stahl"-Nachweise.

  • Schrott- und Rezyklatanteil

    Anteil von Schrott am Einsatzmaterial, Herkunft und Qualität – zentral für Kreislaufwirtschafts-Bewertung und Kundenanforderungen aus Bau und Automotive.

  • Legierungszusammensetzung

    Chemische Analyse und Legierungselemente je Charge – für Verarbeiter, Recycler und die sortenreine Rückführung entscheidend.

  • Rückverfolgbarkeit je Charge

    Kennung voraussichtlich auf Chargen-/Schmelzenebene statt Einzelstück – anschlussfähig an bestehende Werkszeugnisse (z. B. 3.1-Zeugnisse nach EN 10204).

  • Weitergabefähige Datenformate

    Maschinenlesbare, genormte Daten nach EN 18219 ff., die Händler und Verarbeiter in ihre Systeme übernehmen können – PDF-Zeugnisse reichen dafür nicht.

Könnten Sie heute die CO₂-Intensität je Charge maschinenlesbar ausgeben?

Werkszeugnis als PDF ist der Status quo – der Produktpass verlangt strukturierte Daten. Wir zeigen Ihnen in einem kurzen Gespräch, wie weit der Weg von Ihren heutigen Systemen dorthin ist.

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03 — Vorgehen

Stahl-Readiness in fünf Schritten.

  1. 1

    Betroffenheits-Check

    Produktportfolio gegen den Arbeitsplan prüfen: Welche Erzeugnisse fallen unter den erwarteten Rechtsakt – und was kommt über Kundenanforderungen zusätzlich auf Sie zu?

  2. 2

    Datenaudit Werk & Handel

    CO₂-, Schrott- und Analysedaten inventarisieren: Prozessleitsysteme, LIMS, Zeugnisverwaltung, ERP – wo liegt was, in welcher Qualität, auf welcher Ebene (Schmelze, Charge, Position)?

  3. 3

    Chargen-Datenmodell

    DPP-Datenmodell entlang der Schmelzen-/Chargenlogik aufbauen, anschlussfähig an Werkszeugnisse, CBAM-Berichte und EPDs – einmal erheben, mehrfach verwenden.

  4. 4

    System-Integration

    Anbindung von ERP und Qualitätssystemen, Kennungskonzept nach EN 18219, Export-Schnittstellen für Kunden und das EU-DPP-Register definieren.

  5. 5

    Pilot-Produktpass

    Ein reales Erzeugnis – z. B. ein Coil oder eine Profilcharge – mit vollständigem Datensatz und QR-Kennung als Blaupause für den Rollout ~2028.

04 — FAQ

Häufige Fragen aus der Stahlbranche.

Ab wann ist der Digitale Produktpass für Stahl Pflicht?

Der delegierte Rechtsakt wird für 2026 erwartet – ursprünglich Ende 2025, um ein Jahr verschoben. Danach gilt eine Übergangsfrist von typischerweise ~18 Monaten, die Pflicht käme damit frühestens ~2028. Der Termin ist indikativ; fix sind bislang nur der Batteriepass (18.02.2027) und das EU-DPP-Register (Frist: 19.07.2026).

Wir sind Stahlverarbeiter, kein Erzeuger – betrifft uns das trotzdem?

Ja, in zwei Richtungen: Sie werden Passdaten Ihrer Vorlieferanten empfangen und verarbeiten müssen – und Ihre eigenen Kunden (Bau, Maschinenbau, Automotive) werden diese Daten von Ihnen weiterverlangen, teils schon vor der Pflicht. Wer Stahldaten nicht durchreichen kann, wird als Lieferant unbequem.

Reichen unsere Werkszeugnisse (z. B. 3.1 nach EN 10204) nicht aus?

Inhaltlich sind Zeugnisse eine hervorragende Datenquelle – formal reichen sie nicht. Der DPP verlangt maschinenlesbare, genormte Formate, eindeutige Kennungen und Registrierung im EU-DPP-Register. Die gute Nachricht: Die Zeugnisdaten fließen direkt ins DPP-Datenmodell ein, nichts wird doppelt erhoben.

Wir berichten bereits für CBAM – ist das nicht dasselbe?

Nein, aber es überschneidet sich. CBAM betrifft Importe und deren eingebettete Emissionen, der DPP das in der EU in Verkehr gebrachte Produkt über den Lebenszyklus. Die CO₂-Datenbasis ist teils identisch – wir legen Datenmodelle so an, dass CBAM, EPD und DPP aus denselben Quelldaten bedient werden.

Gilt der Pass je Einzelstück, je Charge oder je Modell?

Das legt der Rechtsakt fest. Bei Stahl als Zwischenprodukt wird eine Kennung auf Chargen-/Schmelzenebene erwartet – das passt zur bestehenden Zeugnislogik. Wir bauen Kennungskonzepte so, dass eine feinere Granularität später kein Neubau wird.

Kontakt

Die erste ESPR-Produktgruppe hat den kürzesten Vorlauf.

Erzählen Sie uns kurz, ob Sie erzeugen, handeln oder verarbeiten – Sie bekommen eine ehrliche Einschätzung, welche Datenpflichten wann auf Sie zukommen und wo Sie heute stehen.

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