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Beispiele · konkret statt abstrakt

Digitaler Produktpass: Beispiele, die zeigen, wie ein DPP wirklich aussieht.

Verordnungstexte gibt es genug – was fehlt, ist Anschauung. Diese Seite zeigt, welche Datenfelder ein konkreter Produktpass enthält, wie ein Batteriepass-Datensatz aufgebaut ist (als klar gekennzeichnetes fiktives Beispiel) und woran sich Textil-, Stahl- und Elektronikunternehmen heute schon orientieren können. Keine erfundenen Fallstudien, sondern der reale Stand der Pilotprojekte.

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  • 1 DatensatzEin fiktiver Batteriepass, Feld für Feld erklärt
  • 4 BranchenBatterie · Textil · Stahl · Elektronik
  • 18.02.2027Batteriepass wird als erster DPP verpflichtend
  • 0 erfundenNur reale Initiativen: CIRPASS-2, Battery Pass, GS1

01 — Der Datensatz

Was in einem konkreten DPP-Datensatz steht – Feld für Feld.

Ein Digitaler Produktpass ist kein PDF und keine Broschüre, sondern ein strukturierter Datensatz, der über einen Datenträger am Produkt (in der Regel einen QR-Code) abrufbar ist. Die Felder im Einzelnen:

Produktkennung (Produkt-ID / GTIN): Der Anker des gesamten Passes. Jeder DPP hängt an einer eindeutigen Kennung – je nach Produktgruppe auf Modell-, Chargen- oder Einzelstück-Ebene. In der Praxis wird dafür meist eine GTIN verwendet, die über den Standard GS1 Digital Link als Web-Adresse im QR-Code codiert wird: Ein Scan führt direkt zum Pass. Die technischen Anforderungen an Kennungen und Datenträger sind in der Normenreihe EN 18219 standardisiert.

Materialzusammensetzung: Welche Materialien stecken zu welchen Anteilen im Produkt? Bei einer Batterie sind das die Aktivmaterialien und kritischen Rohstoffe wie Lithium, Kobalt und Nickel, bei einem Textil die Faserzusammensetzung, bei Stahl die Legierungsbestandteile. Genau dieses Feld scheitert in der Praxis am häufigsten – weil die Daten bei Vorlieferanten liegen.

Besorgniserregende Stoffe (Substances of Concern): Enthält das Produkt Stoffe der REACH-Kandidatenliste oder andere regulierte Substanzen, müssen diese samt Konzentration und Einbauort ausgewiesen werden. Für Recycler ist das eines der wichtigsten Felder überhaupt.

Rezyklatanteil: Der Anteil wiederverwerteten Materials – bei Batterien künftig mit verbindlichen Mindestquoten für Kobalt, Lithium, Nickel und Blei. Ein Feld, das nicht geschätzt, sondern belegt werden muss.

CO₂-Fußabdruck: Beim Batteriepass als Carbon Footprint über den Lebenszyklus nach vorgegebener Berechnungsmethode, bei Stahl typischerweise als CO₂ je Tonne. Wichtig: Es zählt nicht irgendein Wert, sondern der nach der jeweils vorgeschriebenen Methodik berechnete.

Reparierbarkeit: Je nach Produktgruppe ein Reparierbarkeits-Score, Angaben zu Ersatzteilverfügbarkeit oder – bei Batterien – Daten zu Zustand und erwarteter Lebensdauer. Für Elektronik wird dieses Feld zum Wettbewerbsmerkmal.

Demontageanleitung: Informationen für Zerlegung, Wiederverwendung und Recycling – vom Ausbau der Batterie bis zur sortenreinen Trennung. Adressat sind hier weniger Verbraucher als Werkstätten und Verwerter, die über ein abgestuftes Zugriffsrecht auf den Pass zugreifen.

Konformitätsdokumente: Konformitätserklärung, Prüfnachweise, Testberichte. Der Pass ersetzt diese Dokumente nicht, sondern verlinkt sie maschinenlesbar – und macht sie damit für Marktüberwachung und Zoll auffindbar.

Wie viele dieser Felder für Ihre Produkte verpflichtend werden, legt der delegierte Rechtsakt Ihrer Produktgruppe fest – die Grundlage dafür ist die ESPR (EU) 2024/1781. Was der Pass grundsätzlich ist, erklärt die Seite Was ist der Digitale Produktpass?

02 — Beispiel Batteriepass

Ein Batteriepass-Datensatz als fiktives Beispiel.

So könnte der Datensatz einer Industriebatterie aussehen. Alle Werte sind frei erfunden und dienen nur der Veranschaulichung – die Feldstruktur orientiert sich an den Anforderungen der Batterieverordnung (EU) 2023/1542.

DatenfeldBeispielwert (fiktiv)Wozu das Feld dient
Produkt-ID (GTIN + Seriennummer)04012345678904 · SN 2027-00184Eindeutige Kennung je Einzelbatterie – der Batteriepass ist ein Einzelstück-Pass, kein Modell-Pass.
Batterietyp / KategorieIndustriebatterie, Li-Ion NMC, 24 kWhEinordnung in den Geltungsbereich: LMT-, EV- und Industriebatterien über 2 kWh sind passpflichtig.
Hersteller & WerkMuster-Zellwerk GmbH, Werk Beispielstadt (DE)Verantwortlicher Wirtschaftsakteur samt Produktionsstandort.
MaterialzusammensetzungNickel 33 %, Graphit 21 %, Aluminium 12 %, Kupfer 9 %, Lithium 4 %, Kobalt 3 %, Sonstige 18 %Kritische Rohstoffe und Aktivmaterialien – Basis für Recycling und Rohstoff-Rückverfolgung.
Besorgniserregende Stoffe1,2-Dimethoxyethan im Elektrolyt, < 0,1 % Gesamtmasse, ZelleAusweis regulierter Stoffe mit Konzentration und Einbauort – zentral für Verwerter.
RezyklatanteilKobalt 16 %, Lithium 6 %, Nickel 6 %, Blei 0 %Nachweis gegen die künftigen Mindestquoten der Batterieverordnung – je Rohstoff, nicht pauschal.
CO₂-Fußabdruck61,5 kg CO₂e/kWh, Klasse C, Verifizierung: benannte StelleLebenszyklus-Fußabdruck nach vorgegebener Methodik, später mit Höchstwerten.
Zustand & LebensdauerState of Health 100 % · erwartete Zyklen: 4.000Dynamische Daten für Zweitleben-Entscheidungen: Weiterverwendung, Repurposing oder Recycling.
DemontageinformationVerlinkte Anleitung: Zellmodul-Ausbau, Werkzeugliste, SicherheitshinweiseFür Werkstätten und Recycler mit entsprechender Zugriffsrolle.
KonformitätsnachweiseEU-Konformitätserklärung Nr. 2027/0184-DE, Testbericht UN 38.3Maschinenlesbar verlinkte Pflichtdokumente für Behörden und Marktüberwachung.

Fiktives Beispiel zur Veranschaulichung der Feldstruktur – keine realen Produkt- oder Herstellerdaten. Der verbindliche Feldkatalog ergibt sich aus der Batterieverordnung (EU) 2023/1542 und ihren Durchführungsakten.

03 — Beispiele nach Branche

Wie der Produktpass je Branche konkret aussieht.

Die Feldstruktur bleibt ähnlich, die Schwerpunkte verschieben sich je Produktgruppe deutlich – vier Beispiele:

01

Batterien – das erste Pflicht-Beispiel

Der Batteriepass ist der erste verpflichtende Produktpass der EU: ab 18.02.2027 für LMT-, EV- und Industriebatterien über 2 kWh, geregelt in der Batterieverordnung (EU) 2023/1542. Er ist ein Einzelstück-Pass mit dynamischen Daten (State of Health) – und damit das anspruchsvollste Beispiel. Das Battery Pass Consortium (batterypass.eu) hat dazu öffentlich zugängliche Inhaltsleitfäden und eine Referenzimplementierung veröffentlicht – die beste frei verfügbare Vorlage, um sich einen echten Pass-Datensatz anzusehen. Mehr auf der Seite Batteriepass.

02

Textilien – Faser, Pflege, Rezyklat

Beim Textilpass (delegierter Rechtsakt erwartet 2027) stehen Faserzusammensetzung, Pflegehinweise, Rezyklatanteil und Angaben zu Reparatur und Kreislauffähigkeit im Vordergrund – typischerweise als Modell- oder Chargen-Pass, nicht je Einzelstück. Für Marken heißt das: Lieferkettendaten aus mehreren Konfektions- und Färbestufen zusammenführen. Was auf die Branche zukommt, steht unter DPP für Textilien.

03

Stahl – Schmelze, Charge, CO₂ je Tonne

Eisen und Stahl sind als erste ESPR-Produktgruppe dran (Rechtsakt erwartet Q4 2026). Der Pass dockt hier an bestehende Praxis an: Schmelz- und Chargennummern gibt es längst über Werkszeugnisse – neu ist die maschinenlesbare Verknüpfung mit CO₂-Angaben je Tonne und Rezyklatanteil. Wer Werkszeugnisse heute als PDF verschickt, hat das Datenproblem bereits gesehen. Details unter DPP für Eisen & Stahl.

04

Elektronik – Reparierbarkeit im Fokus

Bei Elektronik und Elektrogeräten dreht sich der Pass um Reparierbarkeit: Ersatzteilverfügbarkeit, Demontageinformationen, Software-Update-Zeiträume, dazu Stoffangaben für das Recycling. Frankreich zeigt mit dem nationalen Reparierbarkeits-Index seit 2021, wie solche Bewertungen am Produkt aussehen können. Was das für Hersteller bedeutet, steht unter DPP für Elektronik.

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04 — Echte Piloten

Wo Sie heute echte Beispiele finden – ohne Marketingnebel.

Es kursieren viele „Referenzprojekte“, die bei näherem Hinsehen Konzeptgrafiken sind. Diese drei Quellen sind belastbar:

CIRPASS-2: Das EU-geförderte Projekt erprobt den Digitalen Produktpass in Pilotumgebungen quer durch mehrere Wertschöpfungsketten – darunter Textil, Elektronik und Batterien. Die Piloten testen genau die Fragen, die auch Sie treffen werden: Wie kommen Lieferkettendaten in den Pass, wie funktioniert der Zugriff über den QR-Code, wie tauschen Systeme verschiedener Hersteller Daten aus. Die Projektergebnisse werden öffentlich dokumentiert und sind eine der wenigen herstellerneutralen Quellen.

Battery Pass Consortium: Das deutsche Konsortium (batterypass.eu) hat Inhaltsleitfäden zum Batteriepass und eine technische Referenzimplementierung veröffentlicht – frei zugänglich. Wer einmal sehen will, wie ein vollständiger Pass-Datensatz mit allen Pflichtfeldern strukturiert ist, findet hier das derzeit konkreteste öffentliche Beispiel.

GS1 Digital Link: Kein Pilotprojekt, sondern der Trägerstandard: GS1 Digital Link codiert die Produktkennung als Web-Adresse im QR-Code, sodass ein Code gleichzeitig an der Kasse funktioniert und zum Produktpass führt. Viele Konsumgüterhersteller stellen ihre Verpackungscodes bereits darauf um – unabhängig vom DPP-Pflichttermin. Das ist der Teil der DPP-Infrastruktur, den Sie heute schon im Supermarkt scannen können.

Was es dagegen noch nicht gibt: einen verpflichtenden, behördlich registrierten Produktpass am Markt. Das EU-DPP-Register ist seit dem 20.07.2026 live, der erste Pflichtpass folgt am 18.02.2027 mit der Batterie. Alles davor ist Pilot oder freiwillige Vorleistung – seriöse Anbieter sagen das auch so. Den vollständigen Fahrplan je Produktgruppe zeigt der DPP-Zeitplan.

05 — Vom Beispiel zum eigenen Pass

Vom Beispiel zum eigenen Pilot-Pass in fünf Schritten.

Beispiele anschauen ist der Anfang – so wird daraus ein eigener Pass:

  1. 1

    Betroffenheit klären

    Welche Ihrer Produktgruppen fällt wann unter die Pflicht? Der Zeitplan der delegierten Rechtsakte gibt das Zeitfenster vor – und entscheidet, ob Sie 2026 oder 2028 liefern müssen.

  2. 2

    Feldkatalog ableiten

    Aus Batterieverordnung bzw. dem (Entwurfs-)Rechtsakt Ihrer Produktgruppe den konkreten Feldkatalog ableiten – so wie im Beispiel oben, nur für Ihr Produkt. Wo Rechtsakte noch fehlen, liefern die Pilotprojekte die beste Näherung.

  3. 3

    Daten-Gap ermitteln

    Feld für Feld prüfen: Welche Daten liegen im ERP/PIM, welche in Excel, welche nur beim Lieferanten? Dieser Abgleich ist der Kern unseres Readiness-Checks – und meist ernüchternder als erwartet.

  4. 4

    Pilot-Pass bauen

    Für ein repräsentatives Produkt einen echten Pass mit echten Daten erstellen – inklusive QR-Code nach GS1 Digital Link. Ein Pilot deckt Datenlücken und Prozessfragen auf, bevor sie im Rollout teuer werden.

  5. 5

    Rollout & Betrieb planen

    Vom Piloten zur Serie: Schnittstellen automatisieren, Lieferantenprozesse etablieren, Registrierung im EU-Register vorbereiten. Der Pass ist ein Dauerprozess, kein einmaliges Projekt.

06 — FAQ

Häufige Fragen zu DPP-Beispielen.

Gibt es schon verpflichtende Produktpässe?

Nein, noch nicht. Der erste verpflichtende Produktpass ist der Batteriepass ab dem 18.02.2027 (Batterieverordnung (EU) 2023/1542). Das EU-DPP-Register ist seit dem 20.07.2026 live. Alles, was Sie heute sehen, sind Pilotprojekte und freiwillige Umsetzungen – wertvoll als Anschauung, aber noch keine Pflicht.

Kann ich heute schon irgendwo einen echten DPP scannen?

Einen verpflichtenden, registrierten Pass: nein. Aber QR-Codes nach GS1 Digital Link, die zu Produktinformationen führen, finden Sie bereits auf vielen Verpackungen – und Pilotprojekte wie CIRPASS-2 oder die Referenzimplementierung des Battery Pass Consortium zeigen vollständige Pass-Datensätze. Die Anschauung existiert, die Rechtspflicht noch nicht.

Sind die Beispielwerte auf dieser Seite echt?

Nein – der Batteriepass-Datensatz oben ist bewusst als fiktives Beispiel gekennzeichnet. Die Feldstruktur folgt der Batterieverordnung, die Werte sind erfunden. Wir halten das für ehrlicher, als fremde Pilotdaten als eigene Referenz auszugeben.

Gilt der gleiche Feldkatalog für alle Branchen?

Nein. Die ESPR (EU) 2024/1781 setzt den Rahmen, aber der konkrete Pflichtumfang kommt je Produktgruppe per delegiertem Rechtsakt – erwartet für Eisen und Stahl Q4 2026, Textilien, Reifen und Aluminium 2027, Möbel 2028, Matratzen 2029. Ein Stahlpass wird andere Schwerpunkte haben als ein Textilpass, auch wenn Kennung, Datenträger und Grundstruktur (standardisiert in EN 18219) gleich funktionieren.

Reicht es, ein Beispiel zu kopieren und die Werte auszutauschen?

Leider nicht. Das Beispiel zeigt die Zielstruktur – die eigentliche Arbeit liegt darin, die Werte belastbar zu beschaffen: Materialdaten von Lieferanten, CO₂-Werte nach vorgeschriebener Methodik, Rezyklatanteile mit Nachweis. Genau deshalb empfehlen wir den Weg über einen Pilot-Pass mit echten Daten statt einer schönen Attrappe.

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